Montag, 21. Januar 2008

11.1.2008 | 2 - Es geht darum, was die Mehrheit denkt!

Lustiges Gespräch zwischen Kollege Schmidt von der CSU und spiegel.de:

SPIEGEL ONLINE: Sie müssen große Angst haben. Sie plakatieren ein Videobild vom Überfall in der U-Bahn-Station - die SPD wirft Ihnen eine Angstkampagne vor.

Schmid: Die Angst ist doch längst da. Ich wundere mich, dass dies noch nicht alle Politiker bemerkt haben. Viele Menschen sagen mir das, schreiben mir, seit kurzem sind die Reizgas-Sprays zur Selbstverteidigung in einem Münchner Geschäft ausverkauft, ein anderes meldet fünffachen Umsatz. Das zeigt: Politik muss diese Angst aufgreifen und Lösungen bieten, um sie abzubauen.

SPIEGEL ONLINE: Der Pfefferspray-Umsatz steigt doch erst, seit CDU-Wahlkämpfer Koch mit seiner Wahlkampagne diese Angst befördert.

Schmid: Wir hatten binnen kurzer Zeit vier Übergriffe in der Münchner U-Bahn. Da kann man uns doch nicht vorwerfen, ein Angstklima zu erzeugen. Wir beklagen uns doch, dass die Menschen zu oft wegschauen. Deshalb schaue ich bei Jugendgewalt hin.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Angst in der U-Bahn?

Schmid: Nein. Es geht aber nicht um mich, sondern um das, was die Mehrheit der Menschen denkt.

SPIEGEL ONLINE: Wahlkampfplakate mit Bildern von realen Verbrechen kennt man bisher eher von rechtsextremen Parteien. Grünen-Chefin Roth spricht von einem "der unanständigsten und widerwärtigsten Wahlplakate".

Schmid: Diese Bilder sind die Realität, und sie zu zeigen, kann nie unanständig und widerwärtig sein. Politik muss sich mit Realität auseinandersetzen. Unanständig und widerwärtig ist die Straftat auf dem Bild. Als deutsche Straftäter Ausländer überfallen haben, gab es Lichterketten. Das fand ich sehr gut. Jetzt möchte ich die gleiche Solidarisierung mit den Opfern der U-Bahn-Überfälle. Ich fände auch in diesem Fall eine Lichterkette gut.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das Opfer, den attackierten Rentner, vor dem Druck des Plakats um Erlaubnis gefragt?

Schmid: Nein, denn wir haben seine Silhouette durch einen weißen Platzhalter ersetzt.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie gehen mit dem Schicksal dieses Rentners auf Stimmenfang.

Schmid: Unsinn. Wir betreiben weder Stimmenfang noch nutzen wir das Schicksal eines Einzelnen aus. Wir zeigen Bilder, die symptomatisch sind für eine verschärfte Brutalität von Übergriffen.


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